Hörbuch selbst produzieren: Teil 4 (Das richtige Interface)

Dies ist Teil 4 meiner neuen mehrteiligen Serie zur professionellen Hörbuchproduktion in Eigenregie. Ab sofort folgen wöchentlich alle weiteren Artikel, die von A bis Z erklären, wie man von der Idee zum fertigen Hörbuch in den Shops kommt. Alle Inhalte sind auch gesammelt als Buch und E-Book erhältlich. Sämtliche Links dazu finden sich auch noch einmal am Ende des Textes.

Das passende Audio-Interface auswählen

Sofern man sich nicht für ein USB-Mikrofon entscheidet (siehe Teil 3 der Serie), das ein Audio-Interface bereits integriert hat, muss man sich ein solches separat anschaffen. Welches Modell man hier wählt, bedingt sich einerseits durch das Mikrofon, andererseits durch den Computer, an dem es betrieben werden soll. Auf was kommt es also an? Zunächst einmal die gute Nachricht: Auch in Sachen Interface ist es nicht nötig, Unsummen auszugeben. Ein solides Gerät ist für etwa 100 Euro zu haben. Auch der Blick auf den recht umfangreichen Gebrauchtmarkt lohnt sich hier. Was auf jeden Fall nicht reicht, sind integrierte Soundkarten von PCs und Laptops. Deren Anschlüsse und Soundqualität werden professionellen Ansprüchen nicht gerecht.

Welche Anschlüsse können/sollten Interfaces haben?

Der am weitesten verbreitete Interface-Typ sind USB-Modelle. Sie lassen sich an so gut wie jedem Rechner betreiben und sind in der Einsteiger- bis Mittelklasse sehr beliebt. Mittlerweile ein Auslaufmodell, früher wegen der hohen Zuverlässigkeit aber sehr beliebt, sind Firewire-Interfaces. Wenn der eigene Computer über einen solchen Anschluss verfügt, lassen sich hier recht günstig hochwertige Gebrauchtgeräte finden.

Relativ neu und eher in der oberen Preisklasse angesiedelt sind Interfaces mit Thunderbolt-Schnittstelle (ab etwa 500 Euro). Hier ist darauf zu achten, ob der eigene PC über einen solchen Anschluss verfügt. Tückisch ist, dass er wie ein USB-C-Anschluss aussieht, aber technologisch nicht kompatibel ist. Ein genauer Blick in die technischen Details von PC und Interface ist sehr ratsam. Für den Einsteiger, der ein Neugerät kaufen möchte, sind daher USB-Modelle die günstigere und einfachere Variante.

Stromzufuhr für Mikrofone: 48 Volt Phantomspeisung

Wenn man sich für ein Kondensator-Mikrofon entschieden hat, muss man ein Interface wählen, das 48 Volt Phantomspeisung (Phantom-Power/+48V) zur Verfügung stellen kann. Abgesehen von den günstigsten Modellen, die auch aus anderen Gründen ausscheiden sollten, ist das bei eigentlich allen aktuell angebotenen Interfaces der Fall. Was die Kanalanzahl angeht, so reicht im Prinzip ein Gerät mit einem Eingangskanal und einen Stereo-Ausgang. In aller Regel haben Interfaces aber mindestens zwei Eingänge, die sich für Mikrofone, Line-Signale oder Instrumente verwenden lassen.

Gut ist es, wenn es das Interface ermöglicht, das Mikrofonsignal direkt ohne Verzögerung auf dem Kopfhörer abzuhören, während man einspricht. Diese Funktion wird oft als „Direct-Monitoring“ bezeichnet und ist mit einem eigenen Drehregler am Gerät steuerbar. Sollte das Wunschgerät das nicht zulassen, kann auch per Software Abhilfe geschaffen werden. Eine weitere Alternative dazu habe ich unter dem Punkt „Kopfhörer und Kopfhörerverstärker“ beschrieben.

Intergrierter Pre-Amp im Interface

Zu guter Letzt kommt es auch noch auf die inneren Werte an. Das Audio-Interface übernimmt nämlich zwei Funktionen. Erstens fungiert es als Vorverstärker, der den relativ niedrigen Pegel des Mikrofons auf ein verwertbares Niveau anhebt. Dies sollte es nach Möglichkeit ohne allzu viel Rauschen oder Verzerrungen tun.
Sollten Sie ein dynamisches Mikrofon verwenden, das von Haus aus einen niedrigen Pegel ausgibt, kann es hier kritisch werden, da ein zu „schwacher“ Vorverstärker im Interface ab einem gewissen Punkt, das Rauschen unangenehm stark anhebt. Kommt noch ein Sprecher hinzu, der von Haus aus eher leise spricht, kann es schnell passieren, dass eine Aufnahme unbrauchbar wird. Deshalb lohnt es sich, vor dem Kauf in den Bewertungen der Produkte gezielt nach dem Rauschverhalten Ausschau zu halten. Mit einem Kondensator-Mikro sollte man dagegen auf der sicheren Seite sein.

Faktor in der Digitalisierungsqualität: der A/D-Wandler

Die zweite wesentliche Funktion des Interfaces ist es, das analoge Signal in ein digitales zu verwandeln. Das kann mit unterschiedlich hoher Präzision geschehen. Die Kenngrößen lauten hier Abtastrate (oder Sample Rate) und Auflösung (Bit Depth). Erstere ist für unsere Anwendung eigentlich unerheblich, da alle Modelle mindestens 44,1 kHz Abtastrate liefern, was bereits CD-Qualität entspricht. Bei der Bit-Auflösung sollte man darauf achten, ein Interface zu wählen, das mindestens 24 Bit liefert, damit später genug Spielraum für die Bearbeitung vorhanden ist. Geräte, die nur 16 Bit erzeugen, sollten vermieden werden. Steht nur ein solches zur Verfügung, muss man umso genauer darauf achten, die Aufnahmen richtig auszusteuern und vor allem nicht wesentlich zu leise aufzuzeichnen.

Software-Ebene nicht vergessen: Treiber im ASIO-Format

Als letzter wichtiger Punkt seien noch die Treiber genannt. Auch wenn so gut wie alle Interfaces heute von den Betriebssystemen automatisch erkannt werden und für die Wiedergabe meist problemlos verwendet werden können, so kann es bei der Aufnahme ganz anders aussehen. Am besten ist es, wenn der Hersteller einen eigenen Treiber mitliefert. Für den Einsatz mit professioneller Audio-Software hat sich das Format ASIO etabliert. Steht ein solcher eigener ASIO-Treiber des Herstellers nicht zur Verfügung, muss man sich anderweitig Abhilfe schaffen, was unter Umständen weniger stabil läuft. Dazu aber mehr unter dem Punkt Software und PC-Optimierung.

Einige empfehlenswerte Interface-Modelle

Hier noch ein paar Empfehlungen für USB-Interfaces aus der günstigen und mittleren Preisklasse, die sich für die Produktion eignen.

Interfaces bis 100 Euro:

  • Behringer U-Phoria UMC202HD
  • Presonus AudioBox iOne
  • AudioBox USB 96
  • Tascam US-1×2
  • Focusrite Scarlett Solo 3rd Gen
  • Steinberg UR12
  • M-Audio AIR 192|4

Interfaces bis 200 Euro

  • Presonus Studio 24c
  • Focusrite Scarlett 2i2 3rd Gen
  • Steinberg UR22C
  • Mackie Big Knob Studio
  • SSL 2

Das Buch zur Artikelserie

Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z
Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z.

In diesem Buch, das als Taschenbuch, Ringbindung und E-Book erhältlich ist, habe ich alle relevanten Inhalte zur Hörbuchproduktion in Eigenregie zusammengefasst und mit Bildern illustriert.

Einem gut produzierten Hörbuch hört man nicht an, wie komplex der Produktionsprozess dahinter ist. Es soll auf mitreißende Art eine Geschichte erzählen, während die Technik ausgeblendet wird. Die vielen Schritte, die bei seiner Entstehung nötig sind, sollen im Hintergrund bleiben. Damit eine Produktion gelingen kann, müssen viele Faktoren zusammenkommen: passende Technik, eine gute Akustik, eine optimale Vorbereitung des Manuskripts, eine klare Aussprache und Betonung des Sprechers, eine präzise Nachbearbeitung und ein Mastering, das den Anforderungen der gängigen Shops und Portale entspricht. Will man dies als Autor selbst und ohne externe Dienstleister meistern, gilt es schon vor Beginn des Aufnahmen einige essenzielle Fragen zu klären und sich mit den Tücken der Audio-Produktion vertraut zu machen. Dieses Buch soll genau hierbei Hilfe leisten und als Leitfaden alle Grundlagen und Schritte von A bis Z auf verständliche Weise erklären und anhand von Beispielen verdeutlichen. Nach der Lektüre werden Sie fit sein, ins Abenteuer Hörbuchproduktion zu starten.

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