Hörbuch selbst produzieren: Teil 19 (Nachbearbeitung 1)

Dies ist Teil 19 meiner neuen mehrteiligen Serie zur professionellen Hörbuchproduktion in Eigenregie. Ab sofort folgen wöchentlich alle weiteren Artikel, die von A bis Z erklären, wie man von der Idee zum fertigen Hörbuch in den Shops kommt. Alle Inhalte sind auch gesammelt als Buch und E-Book erhältlich. Sämtliche Links dazu finden sich auch noch einmal am Ende des Textes.

Einführung zur Nachbearbeitung bei Hörbüchern

Die Software Sonarworks Reference korrigiert den in der Regel nicht linearen Frequenzgang von Kopfhörern. Sie erlaubt in der Studio-Edition auch das Kalibrieren der Abhörmonitore im Raum.

Die Nachbearbeitung von Hörbüchern (und im Grunde aller anderen Audio-Produktionen) gliedert sich in drei grobe Schritte: Schnitt (Editing), Tonmischung (Mixing) und Mastering (Letzter Schliff und finale Ausgabe im Wunschformat).

Der Punkt Tonmischung ist hier glücklicherweise nicht so umfangreich und komplex wie bei einer Musikproduktion, da man in der Regel nur eine Spur für die aufgezeichnete Stimme hat und nicht bis zu 200 wie bei einem umfangreich arrangierten Musikstück. Im Folgenden spreche ich daher eher von Klangbearbeitung und -optimierung.

Kopfhörer oder Lautsprecher für das Bearbeiten?

Im Bereich Technik haben wir eine Komponente ausgespart, die für die Audio-Produktion sonst jedoch elementar ist: die Lautsprecher (oder Monitore). Ich habe diesen deshalb keinen eigenen Abschnitt gewidmet, da es sich für die Hörbuch-Produktion in den eigenen vier Wänden eher anbietet, auf hochwertige Kopfhörer zu setzen. Warum? Gute Studio-Monitore sind nicht unbedingt günstig zu haben und erfordern außerdem eine akustisch aufwendigere Optimierung des Raumes, wenn sie ihr volles Potenzial entfalten sollen. Verzichtet man darauf, kann man nach dem Export eine böse Überraschung erleben, sobald man das eigene Hörbuch auf einem anderen Gerät abspielt. Der eigene Raum hat den Klang nämlich verfälscht und man hatte versucht, die Unzulänglichkeiten auszugleichen. Das führt dazu, dass das Hörbuch unter Umständen auf anderen Systemen dumpf, wummernd oder aber im anderen Extrem viel zu grell klingt. Mit guten Kopfhörern blendet man diese Fehler in der Raumakustik aus und kann relativ neutral arbeiten. Ich verweise an dieser Stelle noch einmal auf die Software Sonarworks Reference, die für eine Korrektur von Kopfhörer-Kennlinien sorgt (die Studio-Edition auch von Monitoren, wenn man sich entschließt, welche zu kaufen). Ein weiterer Aspekt spricht für die Kopfhörer (zumindest um den Klang des eigenen Hörbuchs darauf zu testen): Dies ist die Tatsache, dass sehr viele Menschen Hörbücher auf Kopfhörern anhören.

Tonschnitt und Fehlerkorrektur

Nach diesen ersten einleitenden Worten sind wir bereit, uns mit dem ersten wichtigen Schritt der Nachbearbeitung zu befassen: dem Schnitt. Als Erstes empfiehlt es sich, von der Projektdatei, in der man aufgenommen hat, eine Kopie zu erstellen, damit man jederzeit noch auf den Ursprungszustand und die Originalaufnahmen zurückgreifen kann, falls etwas schiefgeht. Noch einmal lege ich Ihnen regelmäßige Backups ans Herz, damit Sie im Falle eines Datenverlustes nicht zu viel erneut bearbeiten müssen.

Das gezielte Absenken eines Atmers in der Lautstärke mittels Clip-Gain-Funktion (hier exemplarisch in Studio One).

Das Ziel unseres Tonschnittes ist es, alles Unnötige wegzuschneiden, die Pausen auf eine angenehme Länge zu kürzen und unerwünschte Nebengeräusche, Atmer und andere Störeinflüsse zu eliminieren. Die meisten Audio-Programme besitzen eine Zoom-Funktion für die Wellenform des Audiosignals. Damit lässt sich die Ansicht vergrößern und es wird schneller offensichtlich, wo Atmer und Störgeräusche sind. Vor allem Atemgeräusche können vom Mikrofon unangenehm laut aufgenommen werden, weshalb wir sie ein wenig im Zaum halten müssen – selbst wenn wir sehr diszipliniert eingesprochen haben und uns bemüht haben, nicht allzu laut zu atmen. Alle Atmer völlig wegzuschneiden, kann jedoch unnatürlich wirken, weshalb ich dies nicht empfehlen würde. Stattdessen sollte man die Atmer, die am störendsten sind, in der Lautstärke absenken. Am sichersten ist es, alles von Hand zu editieren, sprich die störenden Atemgeräusche manuell leiser zu machen, indem man den Bereich selektiert (oder davor und danach schneidet) und den einzelnen Clip etwas leiser zieht.

Störgeräusche automatisch mit Plugins entfernen

Es gibt auch spezielle Plugins, die dies für einen übernehmen können und je nach Audio-Material sehr gut funktionieren. Diese sind beispielsweise DeBreath von Waves oder Breath Control aus der Izotope RX-Software. Beide Programme sind kostenpflichtig und es empfiehlt sich, bei ihrer Anwendung genau darauf zu schauen, ob sie nicht aus Versehen auch einmal etwas entfernen, was nicht entfernt werden sollte, so beispielsweise einen für die Verständlichkeit wichtigen Konsonant.

Ähnlich wie Atmer müssen auch Knackgeräusche, Klicks, Popps und andere Störungen entfernt werden, damit das Hörbuch am Ende ein klanglicher Genuss für den Hörer ist. Diese Geräusche können radikal herausgeschnitten werden. Sollte dadurch die Pause zwischen zwei Wörtern oder Sätzen zu kurz werden, kann man einen kleinen Bereich „Stille“ (genauer genommen das Grundrauschen des Raumes) von anderer Stelle kopieren und dort einfügen. Das verhindert, dass es auf einmal unnatürlich leer klingt, was vor allem mit Kopfhörern schnell auffallen würde.

Lautstärkeunterschiede des Materials anpassen

Tonschnitt, Lautstärkeanpassung und Überblendungen in Cubase.

Sollten einzelne Passagen wesentlich lauter oder leiser aufgenommen worden sein als andere, müssen sie in der Lautstärke angeglichen werden. Dazu einfach (wie oben bereits beschrieben) den Teil isolieren (vorne und hinten schneiden) und den „Gain“ (Verstärkung) des Clips erhöhen oder absenken, so dass er mit den Passagen davor und danach auf dem gleichen Niveau ist. Bei diesem Vorgehen ist es wichtig, dass die Audio-Software automatisch Überblendungen (Crossfades) erzeugt. Sollte sie dies nicht tun, können sie die Blenden manuell setzen. Jede Software bietet dazu in der Regel auch einen praktischen Shortcut (Tastenkombination, zum Beispiel Taste X). Fehlende Überblendungen äußern sich häufig in kurzen Knacksern, die es zu meiden gilt.

Am Ende jedes Kapitels oder nach längeren Szenen sollten Sie zwei bis drei Sekunden Pause lassen, so dass dem Hörer klar wird, es folgt ein neuer Abschnitts (der vielleicht an einem neuen Schauplatz oder nach einer gewissen Zeitspanne spielt). Auch sollte vor dem ersten Wort immer etwa eine halbe Sekunde Stille gelassen werden, da manche Abspielgeräte und Software-Player gelegentlich vorne etwas abschneiden. Durch den kleinen Vorlauf wird verhindert, dass womöglich die erste Silbe verschluckt wird.

Überlegungen zum Export der Kapitel

Sollten Sie Ihr Hörbuch kapitelweise in einzelne Projektdateien aufgeteilt haben, ist nun der Zeitpunkt, zu entscheiden, ob sie diese Kapitel im editierten Zustand exportieren und das gesamte Buch dann in einer großen Datei weiter bearbeiten wollen oder nicht. Das Arbeiten in einer großen Datei hat den Vorteil, dass man alle Einstellungen für Equalizer, Kompressoren, Limiter und dergleichen nur einmal vornehmen muss und nicht in allen Projektdateien separat. Das Ziel ist es, am Ende eine durchgängige Qualität und keine Schwankungen im Ton zu haben. Von daher würde ich dieses Vorgehen empfehlen. Ich lege dazu in meiner DAW auch Marker in der Zeitleiste an, mit der ich das Hörbuch in seine Kapitel (oder Szenen) unterteile. Dieses Vorgehen wird sich später bei der Ausgabe noch als sehr praktisch erweisen.

Das Buch zur Artikelserie

Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z
Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z.

In diesem Buch, das als Taschenbuch, Ringbindung und E-Book erhältlich ist, habe ich alle relevanten Inhalte zur Hörbuchproduktion in Eigenregie zusammengefasst und mit Bildern illustriert.

Einem gut produzierten Hörbuch hört man nicht an, wie komplex der Produktionsprozess dahinter ist. Es soll auf mitreißende Art eine Geschichte erzählen, während die Technik ausgeblendet wird. Die vielen Schritte, die bei seiner Entstehung nötig sind, sollen im Hintergrund bleiben. Damit eine Produktion gelingen kann, müssen viele Faktoren zusammenkommen: passende Technik, eine gute Akustik, eine optimale Vorbereitung des Manuskripts, eine klare Aussprache und Betonung des Sprechers, eine präzise Nachbearbeitung und ein Mastering, das den Anforderungen der gängigen Shops und Portale entspricht. Will man dies als Autor selbst und ohne externe Dienstleister meistern, gilt es schon vor Beginn des Aufnahmen einige essenzielle Fragen zu klären und sich mit den Tücken der Audio-Produktion vertraut zu machen. Dieses Buch soll genau hierbei Hilfe leisten und als Leitfaden alle Grundlagen und Schritte von A bis Z auf verständliche Weise erklären und anhand von Beispielen verdeutlichen. Nach der Lektüre werden Sie fit sein, ins Abenteuer Hörbuchproduktion zu starten.

Über das Bauchgefühl beim Plotten 

Das Thema Plotter versus Bauchschreiber treibt die Autoren-Community immer wieder um. Erst kürzlich kam wieder die Diskussion auf: Welcher Typ bin ich eigentlich? Welche Methoden gibt es? Was ist richtig, was ist falsch? Und ziemlich schnell kommt man natürlich zur Erkenntnis: Richtig und falsch gibt es nicht. (Audio-Version des Beitrags am Ende des Artikels.)

Was einem liegt und was nicht 

Es gibt Sachen, die einem liegen und Sachen, die einem nicht so liegen, und oft wandelt sich das auch mit der Zeit. Je öfter man schreibt, je mehr Bücher man rausbringt, desto mehr kristallisiert sich ein eigener Prozess heraus, nach dem man seine Geschichten entwickelt und sie vorantreibt im Schreibprozess. Und dabei lotet man natürlich auch aus, was funktioniert für einen und was funktioniert für einen nicht so gut. So war es auch bei mir am Anfang. Gerade beim ersten Roman habe ich in typischer Bauchschreiber-Manier einfach drauflos geschrieben. Ich habe eine krude Idee im Kopf gehabt und fand die irgendwie witzig und spaßig und dachte, das taugt vielleicht für eine längere Geschichte. Und dann hat es über zwei Jahre gedauert, bis daraus ein fertiges Buch geworden ist. Ein langer, quälender Prozess voller Irrungen und Wirrungen – was jetzt bei dem Buch nicht so schlimm war, weil es für sich genommen auch sehr wirr ist.  

Ein bisschen Struktur braucht man 

Dann beim zweiten Buch habe ich gemerkt: Nee, so lange darf es nicht mehr dauern, ein bisschen Struktur brauchst du. Und das hat sich immer weiterentwickelt, so dass ich mehr und mehr Elemente der Planung in meinem Prozess eingebaut habe. Bis hin zu einem Buch, wo ich dann schon so ungefähr 60 Prozent vorgeplant hatte und festgestellt habe: So richtig Spaß macht mir das nicht. Aber es macht die Sache einfacher.  

Was will ich eigentlich damit sagen? Mittlerweile bin ich an dem Punkt angekommen, wo ich bei meinen eher komplizierten Geschichten darauf achten muss, dass ich mich nicht verzettele. Reines Bauchschreiben funktioniert einfach nicht mehr. Dann ist man schnell im Dilemma.  

Experiment Schneeflockenmethode 

Ich habe Ende des vergangenen Jahres, nachdem ich das letzte Manuskript fertig hatte, gedacht: Jetzt versuchst du mal was Neues und nimmst dir diese Schneeflocken-Methode vor. Aber das bleibt da auch nicht bei diesen 5 Sätzen, die man anfangs hat. Sondern man entwickelt für jeden Hauptcharakter sozusagen eine Zusammenfassung der Geschichte und baut diese 5 Sätze zu weiteren Absätzen aus und dann bis zu jeweils einer Seite. Wie eine Schneeflocke wächst das Konstrukt und am Ende hat man ein einige Seiten starkes Dokument, in dem die Geschichte aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet ist. Alle Wendepunkte, das Ende und dergleichen sind enthalten. Man hat einen ziemlich guten Eindruck davon, was in diesem Buch passiert, wann und wie und warum. 

Und das ist natürlich eine gute Sache. Ich habe das alles auf kleine Zettelchen geschrieben und an meine Pinnwand gepinnt und auch nochmal organisiert und umgestellt und ergänzt. Dann stehe ich jetzt vor meiner Pinnwand und denke mir: Das ist echt ne coole Story, eine gute Geschichte, das hat Hand und Fuß, da ist Spannung drin. Das sind interessante Charaktere und ich glaube, es könnte Spaß machen, das zu lesen. 

Aber übers Davorstehen bin ich noch nicht hinausgekommen, weil ich irgendwie denke, ich weiß jetzt schon alles über die Geschichte. Irgendwie kenne ich die Story schon, ich habe die Charaktere kennengelernt. Wo gibt es denn da jetzt noch was zu entdecken? Das ist für mich die Crux dabei, ich habe irgendwie nicht den richtigen Schub anzufangen. Weil ich ja schon weiß, was passiert. 

Die Geschichte beim Schreiben entdecken 

Es mag jetzt ein bisschen komisch klingen, aber ich habe immer das Bedürfnis, die Geschichte, während sie entsteht, auch selbst zu entdecken. Ich bin Autor und Leser gleichermaßen. Ich brauche die Überraschung. Das hindert mich nun, weil ich vor diesem ganzen Konstrukt stehe und denke: Ist da noch genug übrig, das ich entdecken kann? So dass es mir auch Spaß macht, ein ganzes Buch zu schreiben. 

Natürlich: Realistisch betrachtet ist so ein Plot (und alles, was ich jetzt vorgearbeitet habe) noch nicht die Geschichte, da sind keine Dialoge, das ist kein Witz, da ist kein keine wirkliche Action, das ist nur das Gerüst, das es zu füllen gilt. Aber irgendwie fehlt der Motivationsschub, den ich brauche, um anzufangen, um mich reinzustürzen in die Story. 

Diesen Impuls gibt es jetzt nicht, weil ich weiß jetzt quasi schon, wie tief das Becken ist, in das ich rein springe. Wie breit ist es, wie weit muss ich ungefähr schwimmen? Sind Haie drin oder nicht? Na gut, vielleicht ist es auch eher ein trüber See, wo man nicht weiß, was unter der Oberfläche schwimmt, aber trotzdem habe ich mich noch nicht durchgerungen, zu springen. Was sagt das jetzt über mich aus? Bin ich jetzt ein Plotter oder bin ich ein Bauchschreiber? 

Grundplottender bauchschreibender Autor 

Ich glaube, ich bin ein grundplottender bauchschreibender Autor. Ich weiß zwar immer noch nicht, was das bedeuten soll, aber ich brauche wohl irgendwie das gewisse Maß an Ungewissheit, um dann nachher noch kreativ zu werden während des Schreibprozesses. Eine interessante Erkenntnis, die sich jetzt erst verfestigt, wo ich diese Zeilen schreibe.  

Ich schaue gerade rüber zu der Pinnwand, wo die vielen bunten Zettelchen hängen und denke mir, das kann man auch nicht unerzählt lassen. Also werde ich vermutlich irgendwann in diesem Jahr den Schweinehund überwinden und einfach mal anfangen, zu schreiben. Weil ich weiß ganz genau: Wenn ich erstmal angefangen hab, bringe ich es zu Ende, das muss ich machen. Es ist schon komisch, da kann man als Autor nicht anders, selbst wenn man sich vorgenommen hat, jetzt erstmal aufzuhören und nichts zu machen. Irgendwie will die Geschichte trotzdem raus. 

Ich bin gespannt, was ihr so denkt. Lasst mir gerne den einen oder anderen Kommentar da. Oder sagt mir, dass ich total verrückt bin und das alles künftig besser machen muss. Das ist auch OK. Bis zum nächsten Mal an dieser Stelle oder ganz woanders!  

Der Beitrag im Audio-Format

Wer lieber hört als liest, kann hier den Beitrag im Audio-Format genießen.

Hörbuch selbst produzieren: Teil 18 (Effizientes Arbeiten)

Dies ist Teil 18 meiner neuen mehrteiligen Serie zur professionellen Hörbuchproduktion in Eigenregie. Ab sofort folgen wöchentlich alle weiteren Artikel, die von A bis Z erklären, wie man von der Idee zum fertigen Hörbuch in den Shops kommt. Alle Inhalte sind auch gesammelt als Buch und E-Book erhältlich. Sämtliche Links dazu finden sich auch noch einmal am Ende des Textes.

Tipps für effizienteres Arbeiten

Ich hatte weiter vorne bereits erwähnt, dass es sinnvoll sein kann, für das Manuskript ein Tablet statt Papier zu verwenden, da dies langwierige Nacharbeiten zum Entfernen von Rascheln und Umblättergeräuschen vermeidet.

Darüber hinaus können Sie Ihren Arbeitsprozess so effektiv wie möglich gestalten, wenn sie darauf achten, nach einem Versprecher/Fehler sofort zu stoppen und an der Fehlerstelle (oder im Satz zuvor) wieder anzusetzen. Sie sollten unbedingt vermeiden, nach einem Fehler weiterzusprechen und einen Satz zu wiederholen. Das verkompliziert die Nachbearbeitung ungemein, da sich Wörter und Satzteile doppeln und herausgeschnitten werden müssen. Wenn Sie neu ansetzen, können Sie auch mit einem gewissen Vorlauf arbeiten. Viele Programme nennen diese Funktion „Pre-Roll“. Das bedeutet, dass die Software schon einen kurzen Zeitraum vor dem eigentlichen Aufnahmepunkt die bestehende Aufzeichnung wiedergibt und dann automatisch beginnt, am Punkt des letzten Cursers neu aufzuzeichnen. So hören sie noch einmal die Geschwindigkeit, die Rhythmik und Dynamik des Satzes zuvor und können passend dazu ansetzen.

Struktur ins Projekt bringen

Sie sollten sich auch angewöhnen, beim Aufnehmen gleich Marker (alternativ Region in Reaper oder Cycles in Cubase) zu setzen, wo neue Kapitel oder Szenen beginnen. Das hilft Ihnen später in der Nachbearbeitung, da Sie sich um einiges besser orientieren können. Alternativ kann man auch die einzelnen Kapitel auf einzelne Spuren legen oder die zugehörigen Clips einfärben. Was immer Ihnen hilft, den Überblick zu behalten, sollten Sie nutzen – und das konsequent über das gesamte Projekt.

Noch ein kleiner Tipp für die Funktion des Sprechers: Stellen Sie sich stets eine Flasche mit stillem Wasser bereit, um zwischendurch genug zu trinken. Bitte kein Sprudelwasser, das „Spratzeln“ im Glas ist hörbar – und aufstoßen wollen wir auch nicht. Raue Mengen Kaffee sind für die Stimme auch nicht das beste, denn er dehydriert. Essen Sie unmittelbar vor den Aufnahmen auch nichts Süßes/Klebriges und vor allem keine Nüsse. So mancher Hustenanfall ist vermeidbar. Denken Sie daran, regelmäßige Pausen zu machen, zu lüften oder ein paar Schritte an die frische Luft zu gehen. Sie müssen als Sprecher und Tontechniker in Personalunion auf viele Dinge gleichzeitig achten. Halten Sie also die Konzentration auf hohem Niveau.

Über die Arbeit mit einem (Profi-)Sprecher

Sollten Sie nicht selbst einsprechen wollen, sondern beispielsweise mit einem Schauspieler vom Theater oder einem geübten Sprecher vom örtlichen Radio, so achten Sie bitte darauf, eine angenehme und produktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Sie werden viele Stunden zusammen arbeiten und schlechte Stimmung können Sie nicht gebrauchen. Wenn Sie sich also eine bestimmte Passage, Stimme oder Betonung anders vorgestellt haben, geben Sie dem Sprecher konkretes Feedback. Machen Sie ihm (oder ihr) so gut Sie können verständlich, was Sie sich wünschen. Profis werden diese Hinweise dankbar aufnehmen, denn auch sie sind daran interessiert, das bestmögliche Ergebnis herauszuholen.

Verzichten sie bitte darauf, sich an unwesentlichen Details abzuarbeiten und einzelne Sätze ein Dutzend mal aufzuzeichnen. Das stört den Lesefluss und ermüdet schnell. Ab einem gewissen Punkt wird es nicht mehr besser. Um ein Hörbuchprojekt erfolgreich abzuschließen, werden Sie Ausdauer brauchen und Motivation. Man sollte sich daher auf das große Ganze und das Ziel konzentrieren und nicht auf Details, die während des Produktionsprozesses oft wichtiger erscheinen als sie es tatsächlich sind.

Das Buch zur Artikelserie

Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z
Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z.

In diesem Buch, das als Taschenbuch, Ringbindung und E-Book erhältlich ist, habe ich alle relevanten Inhalte zur Hörbuchproduktion in Eigenregie zusammengefasst und mit Bildern illustriert.

Einem gut produzierten Hörbuch hört man nicht an, wie komplex der Produktionsprozess dahinter ist. Es soll auf mitreißende Art eine Geschichte erzählen, während die Technik ausgeblendet wird. Die vielen Schritte, die bei seiner Entstehung nötig sind, sollen im Hintergrund bleiben. Damit eine Produktion gelingen kann, müssen viele Faktoren zusammenkommen: passende Technik, eine gute Akustik, eine optimale Vorbereitung des Manuskripts, eine klare Aussprache und Betonung des Sprechers, eine präzise Nachbearbeitung und ein Mastering, das den Anforderungen der gängigen Shops und Portale entspricht. Will man dies als Autor selbst und ohne externe Dienstleister meistern, gilt es schon vor Beginn des Aufnahmen einige essenzielle Fragen zu klären und sich mit den Tücken der Audio-Produktion vertraut zu machen. Dieses Buch soll genau hierbei Hilfe leisten und als Leitfaden alle Grundlagen und Schritte von A bis Z auf verständliche Weise erklären und anhand von Beispielen verdeutlichen. Nach der Lektüre werden Sie fit sein, ins Abenteuer Hörbuchproduktion zu starten.

Hörbuch selbst produzieren: Teil 17 (Software einrichten)

Dies ist Teil 17 meiner neuen mehrteiligen Serie zur professionellen Hörbuchproduktion in Eigenregie. Ab sofort folgen wöchentlich alle weiteren Artikel, die von A bis Z erklären, wie man von der Idee zum fertigen Hörbuch in den Shops kommt. Alle Inhalte sind auch gesammelt als Buch und E-Book erhältlich. Sämtliche Links dazu finden sich auch noch einmal am Ende des Textes.

Software einrichten und Projekt anlegen

Das Anlegen eines neuen Songs (Projektdatei) in Studio One.

Nun, da die Hardware eingerichtet ist, muss noch die Software aufnahmebereit gemacht werden. Dazu stellen wir als erstes sicher, dass in den Einstellungen der richtige Treiber für das Audio-Interface ausgewählt ist. Normalerweise wird sich der Name des eigenen Geräts darin widerspiegeln, so dass dieser Schritt relativ selbsterklärend ist. Nur wenn wir in Ermangelung eines „nativen“ Treibers den Umweg über ASIO4ALL oder den von Cubase mitgelieferten „Generic“-Treiber gehen, müssen wir darauf achten, dass hier das richtige Audio-Interface gewählt wird und nicht etwa eine zusätzlich vorhandene Soundkarte im PC/Laptop. Die Abtastrate/Sample Rate des Interface stellen wir – sofern noch nicht geschehen – auf 44,1 kHz ein, die Bitrate/Auflösung, so denn verfügbar, auf 24 Bit. Sollten Sie ASIO4ALL verwenden und am Interface kein Direct-Monitoring für das Kopfhörersignal nutzen können, müssen Sie die Buffer-Size (Audio-Puffer) nach unten setzen, um die Verzögerung möglichst gering zu halten.

Projekt und Tracks für das Hörbuch erzeugen

Wenn der Treiber gewählt ist und das Interface läuft, heißt es ein Audio-Projekt anzulegen. Wir wählen auch hier 44,1 kHz und 24 Bit sowie (wenn nötig) WAV als Aufzeichnungsformat. Diese Einstellungen sind bei allen DAWs im Prinzip sehr ähnlich, nur jeweils an etwas anderer Stelle zu finden. Sofern sie nicht direkt beim Anlegen eines neuen Projekts danach gefragt werden (wie bei Studio One), suchen Sie nach „Optionen“ oder „Voreinstellungen“ und passen Sie die genannten Parameter an.

Mit einem Rechtsklick fügt man eine neue Spur in Reaper hinzu.

Als Nächstes fügen wir eine Spur (Track) hinzu und wählen für diese den Eingangskanal des Interface, an dem unser Mikrofon hängt. Es ist höchstwahrscheinlich Kanal 1, sofern sie nicht an einem mehrkanaligen Interface aus bestimmten Gründen einen anderen Kanal gewählt haben. In der Regel sind die Eingangskanäle auch vorne am Gerät durchnummeriert. Wenn Sie nun den runden roten Aufnahmebutton am Kanal (nicht in der Steuerungsleiste, wo auch die Play- und Stopptaste sind) drücken, sollte ein Pegel angezeigt werden, sobald Sie sprechen. In unmittelbarer Nähe des Record-Buttons findet sich normalerweise der „Mithören-Knopf“, der dafür sorgt, dass das Mikrofon-Signal über den Audio-Ausgang auch direkt wieder ausgegeben wird. Diesen müssen Sie nur aktivieren, wenn Ihr Interface kein Direct-Monitoring anbietet. Ansonsten lassen Sie ihn abgeschaltet oder deaktivieren Sie ihn, sofern die DAW ihn automatisch eingeschaltet hat. Tun Sie das nicht, können Sie ihre Stimme doppelt mit einem irritierenden Echo-Effekt hören.

Testaufnahme starten und Ergebnis prüfen

Nehmen Sie eine kurze Passage auf und spielen Sie sie ab. Sie sollten das zuvor Aufgezeichnete nun hören können. Falls nicht, prüfen Sie, ob die richtigen Ausgangskanäle gewählt sind, ob die Taste „Mute“ (M) am Kanal oder Masterfader gedrückt ist oder ob Sie den Regler für das Direct-Monitoring möglicherweise komplett auf „Input“ gedreht haben. Dieser sollte auf Mittenposition stehen, damit Sie das Direkt-Signal des Mikros und das aufgezeichnete Signal in etwa gleich laut hören. Sollten Sie bereits Effekte wie EQ, Kompressor oder Ähnliches auf den Kanal gelegt haben, kann es sein, dass sie eine Verzögerung hören, wenn sie nicht mit Direct-Monitoring arbeiten. In diesem Fall ist es empfehlenswert, alle Plugins für die Aufnahme zu deaktivieren, um die Latenz (Verzögerung) so klein wie möglich zu halten.

Das Buch zur Artikelserie

Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z
Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z.

In diesem Buch, das als Taschenbuch, Ringbindung und E-Book erhältlich ist, habe ich alle relevanten Inhalte zur Hörbuchproduktion in Eigenregie zusammengefasst und mit Bildern illustriert.

Einem gut produzierten Hörbuch hört man nicht an, wie komplex der Produktionsprozess dahinter ist. Es soll auf mitreißende Art eine Geschichte erzählen, während die Technik ausgeblendet wird. Die vielen Schritte, die bei seiner Entstehung nötig sind, sollen im Hintergrund bleiben. Damit eine Produktion gelingen kann, müssen viele Faktoren zusammenkommen: passende Technik, eine gute Akustik, eine optimale Vorbereitung des Manuskripts, eine klare Aussprache und Betonung des Sprechers, eine präzise Nachbearbeitung und ein Mastering, das den Anforderungen der gängigen Shops und Portale entspricht. Will man dies als Autor selbst und ohne externe Dienstleister meistern, gilt es schon vor Beginn des Aufnahmen einige essenzielle Fragen zu klären und sich mit den Tücken der Audio-Produktion vertraut zu machen. Dieses Buch soll genau hierbei Hilfe leisten und als Leitfaden alle Grundlagen und Schritte von A bis Z auf verständliche Weise erklären und anhand von Beispielen verdeutlichen. Nach der Lektüre werden Sie fit sein, ins Abenteuer Hörbuchproduktion zu starten.

Hörbuch selbst produzieren: Teil 16 (Der Aufnahmeprozess)

Dies ist Teil 16 meiner neuen mehrteiligen Serie zur professionellen Hörbuchproduktion in Eigenregie. Ab sofort folgen wöchentlich alle weiteren Artikel, die von A bis Z erklären, wie man von der Idee zum fertigen Hörbuch in den Shops kommt. Alle Inhalte sind auch gesammelt als Buch und E-Book erhältlich. Sämtliche Links dazu finden sich auch noch einmal am Ende des Textes.

Der Aufnahmeprozess für ein Hörbuch

Die Auswahl des Audio-Treibers in Presonus Studio One.

Vermutlich haben Sie längst die gesamte Technik angeschlossen und erste Testaufnahmen gemacht, um Ihre Stimme zu verbessern und sich mit den Abläufen vertraut zu machen. Dennoch folgen hier noch einige Hinweise zur Einrichtung von Hard- und Software. Spätestens jetzt ist also der Zeitpunkt, das Mikrofon auf das Stativ zu schrauben, es mittels XLR-Kabel mit dem Interface zu verbinden und im Falle eines Kondensator-Modells die 48 Volt Phantomspannung zu aktivieren. Nun noch das Interface an den PC anschließen, die Kopfhörer in die richtige Buchse stecken und es kann prinzipiell losgehen.

Wenn die Technik also steht und funktionsbereit ist, Ihre Stimme fit und trainiert ist und das Manuskript entsprechend vorbereitet ist, geht es an das Einsprechen. Dabei sollte man einige Dinge beachten, um ein optimales Signal zu erhalten und sich später bei der Nachbearbeitung Zeit und Nerven zu sparen.

Mikrofonposition und Abstand zum Sprecher

Wie bereits erwähnt, werden Hörbücher in der Regel im Sitzen eingesprochen. Zwar ist die Resonanz der Stimme im Stehen etwas besser, aber aufgrund der Tatsache, dass man eine relativ lange Zeit am Stück arbeitet, hat sich die sitzende Haltung durchgesetzt. Das auf dem Stativ montierte Mikrofon (samt Popp-Schutz) platzieren wir idealerweise in einem Abstand von 30 bis 50 Zentimetern von unserem Mund entfernt. Damit es nicht unsere Sicht auf das Manuskript verdeckt, platzieren wir es entweder oberhalb oder unterhalb des Mundes in einem Winkel von etwa 30 Grad. Auf diese Weise wird ein natürliches Klangbild erreicht und auch Zischlaute werden nicht überbetont. Sollten Sie ein Tischstativ oder einen speziellen Podcast-Gelenkarm verwenden, experimentieren Sie mit der Position, bis ein guter Kompromiss aus Klang und Komfort erreicht ist. Bei Tischstativen muss man wie bereits weiter oben erwähnt, mit Rumpelgeräuschen vorsichtig sein, die sich durch das Stativ von der Tischplatte übertragen können. Manche Mikrofone besitzen dazu eine gefederte Aufhängung (Spinne), die das minimieren soll. Auch der Hochpass (Trittschallfilter) am Mikro kann in diesem Fall eine gute Sache sein.

Optimales Einpegeln des Mikrofons

Um ein optimales Signal aufzeichnen zu können, muss auch der eingestellte Mikrofon-Aufnahmepegel stimmen. Dieser sollte in keinem Fall zu hoch eingestellt werden, um Übersteuerungen zu vermeiden. Solche klingen sehr unangenehm und lassen sich nur aufwändig mit Spezialsoftware ausbügeln – und selbst damit klappt das nicht immer zuverlässig. Deshalb sollte man hier die nötige Sorgfalt walten lassen. Am Interface findet sich dazu neben der Eingangsbuchse des Kanals ein Drehregler, der normalerweise mit „Gain“ oder „Input-Level“ beschriftet ist. Oft ist auch eine Pegelanzeige integriert, die mittels grüner und roter LEDs anzeigt, wann ein Pegel okay und wann er zu hoch ist.

Während man eine laute Passage spricht, dreht man den „Gain“-Regler auf, bis die Signal-LED rot aufleuchtet (oder die Software intern eine Übersteuerung anzeigt), dann dreht man wieder ein kleines Bisschen zurück. Man testet noch einmal mit einem Satz, von dem man weiß, dass er im Buch lauter gesprochen wird, und wenn es zu keiner Übersteuerung (auch Clipping genannt) mehr kommt, ist der Pegel im „grünen Bereich“. Sie sollten von nun an darauf achten, den Pegel nicht mehr zu verändern und auch die Mikrofonposition (vor allem den Abstand) einzuhalten. Denn je näher man dem Mikro kommt, desto lauter wird dieses die Stimme aufnehmen. Wenn Sie sich dagegen zu weit seitlich des Mikros platzieren, nimmt der Pegel ab und der Klangcharakter ändert sich. Beides sollte man im Sinne eines durchgängig hohen Qualitätsniveaus der Aufnahmen tunlichst vermeiden. Achten Sie auch immer darauf, dass der Pop-Killer nicht verrutscht und nach wie vor an Ort und Stelle ist.

Wenn Sie eine Direct-Monitoring-Funktion nutzen (wie im Abschnitt Interface beschrieben), hören Sie nun Ihre Stimme klar und deutlich auf dem Kopfhörer. Regeln Sie die Lautstärke des Kopfhörers auf ein moderates Niveau und nicht zu laut ein – erstens, um Ihre Ohren zu schonen und zweitens, um ein Einstreuen ins Mikrofon zu vermeiden.

Das Buch zur Artikelserie

Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z
Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z.

In diesem Buch, das als Taschenbuch, Ringbindung und E-Book erhältlich ist, habe ich alle relevanten Inhalte zur Hörbuchproduktion in Eigenregie zusammengefasst und mit Bildern illustriert.

Einem gut produzierten Hörbuch hört man nicht an, wie komplex der Produktionsprozess dahinter ist. Es soll auf mitreißende Art eine Geschichte erzählen, während die Technik ausgeblendet wird. Die vielen Schritte, die bei seiner Entstehung nötig sind, sollen im Hintergrund bleiben. Damit eine Produktion gelingen kann, müssen viele Faktoren zusammenkommen: passende Technik, eine gute Akustik, eine optimale Vorbereitung des Manuskripts, eine klare Aussprache und Betonung des Sprechers, eine präzise Nachbearbeitung und ein Mastering, das den Anforderungen der gängigen Shops und Portale entspricht. Will man dies als Autor selbst und ohne externe Dienstleister meistern, gilt es schon vor Beginn des Aufnahmen einige essenzielle Fragen zu klären und sich mit den Tücken der Audio-Produktion vertraut zu machen. Dieses Buch soll genau hierbei Hilfe leisten und als Leitfaden alle Grundlagen und Schritte von A bis Z auf verständliche Weise erklären und anhand von Beispielen verdeutlichen. Nach der Lektüre werden Sie fit sein, ins Abenteuer Hörbuchproduktion zu starten.

Hörbuch selbst produzieren: Teil 15 (Manuskriptvorbereitung)

Dies ist Teil 15 meiner neuen mehrteiligen Serie zur professionellen Hörbuchproduktion in Eigenregie. Ab sofort folgen wöchentlich alle weiteren Artikel, die von A bis Z erklären, wie man von der Idee zum fertigen Hörbuch in den Shops kommt. Alle Inhalte sind auch gesammelt als Buch und E-Book erhältlich. Sämtliche Links dazu finden sich auch noch einmal am Ende des Textes.

Modifikationen zur Buchfassung

Bevor Sie an die Detailarbeit des Textes gehen, überlegen Sie ganz allgemein, welche Teile des Buches möglicherweise nicht in die Hörbuchfassung sollen. Heute werden in der Regel vollständige Lesungen produziert, aber auch gekürzte Hörfassungen eines Buches sind noch nicht ausgestorben. Vor allem bei sehr umfangreichen Büchern kann man so Zeit und Geld sparen, ohne allzu viel von der Geschichte einzubüßen. Von daher sind sie heute zwar seltener geworden, haben aber noch ihre Berechtigung, wenn ein Verlag Produktionskosten einsparen möchte. Als Hörbücher noch primär auf Audio-CDs gepresst wurden, gab es sogar sehr häufig gekürzte Lesefassungen.

Ausmisten und Relevantes ergänzen

Auch wenn Sie nichts an der eigentlichen Geschichte kürzen wollen, wird es vermutlich doch einzelne Abschnitte geben, die nicht unbedingt vorgelesen werden müssen: Danksagungen, Widmungen, Zitate, Impressum und dergleichen sind gegebenenfalls verzichtbar oder können am Ende des Buches in den „Abspann“. Wo Sie etwas platzieren, ist natürlich Ihnen selbst überlassen, aber normalerweise möchten Hörer gleich in die Geschichte einsteigen. Von daher ist es ratsam, am Anfang nur Autor, Titel, Untertitel, Sprecher und (sofern zutreffend) den Verlag oder die Produktionsfirma zu nennen. Alle weiteren Credits sollten, sofern man sie nicht in ein PDF packen kann, ans Ende des Hörbuchs gestellt werden. Sollten Sie in Ihrem Buch Fußnoten, Klammern, Verweise und Ähnliches verwendet haben, bedenken Sie, dass sich diese schwer in der Hörbuchfassung abbilden lassen und sie eine Umformulierung oder eine andere kreative Lösung erfordern. Auch hier sollte man im Zweifel ein Booklet produzieren und alle relevanten Zusatzinformationen dort abdrucken. Auch eine eigene Webseite (Unterseite) zum Hörbuch mit den Verweisen und Ergänzungen ist eine gute Option, wenn sich der Link dazu kurz und prägnant in die Hörbuchfassung integrieren lässt.

Sprecher-Markierungen im Text

Beispielhafte Markierungen in einem Roman-Manuskript, die später bei der richtigen Betonung der Wörter helfen.

Es ist zwar relativ zeitaufwändig, das gesamte Manuskript vor dem Einsprechen noch einmal durchzugehen, aber gerade am Anfang kann es sich durchaus lohnen, auch weil man sich später beim Einsprechen Zeit sparen kann. Es sind einige alternative PDF-Reader verfügbar, die eine Bearbeitung der Dateien erlauben, darunter kostenfreie und kostenpflichtige, wie etwa der relativ günstige PDF-XChange Editor. Damit kann man direkt im PDF Markierungen und Notizen einfügen und muss nicht mit einem großen Stapel Papier arbeiten, welchen man auch aus anderen Gründen eher vermeiden sollte. Ich rate dazu, ein Tablet oder einen E-Reader statt Papier zu verwenden. Erstens, weil man mit diesen Geräten lautlos arbeiten kann und keine störenden Blättergeräusche erzeugt (die man später mühsam herausschneiden muss) und zweitens, weil man nahtlos scrollen kann und nicht hektisch umblättern muss, wenn ein Satz über zwei Seiten geht. Notfalls kann man auch von einem Handy ablesen, aber das ist aufgrund der Displaygröße wohl eher nur für kurze Texte praktikabel.

In das PDF (oder auf die Blätter, falls Sie auf Papier bestehen) tragen wir alle relevanten Markierungen ein, die beim Einsprechen helfen. Das sind die Haupt- und Nebenbetonungen, mögliche Pausen, Markierungen, die gegebenenfalls anzeigen, dass wir einen Satz auslassen wollen, und dergleichen mehr. Auch die Art des Sprechens, wie etwa Flüstern, Schreien, Murmeln oder die verbundene Emotion (freudig, resigniert, panisch) können wir vermerken.
Es kann sonst sehr ernüchternd sein, wenn man gerade einen langen Satz perfekt in üblicher Lautstärke eingesprochen hat und ganz am Ende steht dann „flüsterte sie“. Auch den Einsatz verschiedener Stimmen für Ihre Akteure können Sie hier kenntlich machen, so etwa auch durch verschiedene farbliche Unterlegungen. Erledigen Sie diesen Schritt detailgetreu und gewissenhaft, so wird Ihnen das Einsprechen nachher wesentlich einfacher und schneller von der Hand (oder der Zunge) gehen.

Das Buch zur Artikelserie

Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z
Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z.

In diesem Buch, das als Taschenbuch, Ringbindung und E-Book erhältlich ist, habe ich alle relevanten Inhalte zur Hörbuchproduktion in Eigenregie zusammengefasst und mit Bildern illustriert.

Einem gut produzierten Hörbuch hört man nicht an, wie komplex der Produktionsprozess dahinter ist. Es soll auf mitreißende Art eine Geschichte erzählen, während die Technik ausgeblendet wird. Die vielen Schritte, die bei seiner Entstehung nötig sind, sollen im Hintergrund bleiben. Damit eine Produktion gelingen kann, müssen viele Faktoren zusammenkommen: passende Technik, eine gute Akustik, eine optimale Vorbereitung des Manuskripts, eine klare Aussprache und Betonung des Sprechers, eine präzise Nachbearbeitung und ein Mastering, das den Anforderungen der gängigen Shops und Portale entspricht. Will man dies als Autor selbst und ohne externe Dienstleister meistern, gilt es schon vor Beginn des Aufnahmen einige essenzielle Fragen zu klären und sich mit den Tücken der Audio-Produktion vertraut zu machen. Dieses Buch soll genau hierbei Hilfe leisten und als Leitfaden alle Grundlagen und Schritte von A bis Z auf verständliche Weise erklären und anhand von Beispielen verdeutlichen. Nach der Lektüre werden Sie fit sein, ins Abenteuer Hörbuchproduktion zu starten.

Hörbuch selbst produzieren: Teil 14 (Emotionen und Dynamik)

Dies ist Teil 14 meiner neuen mehrteiligen Serie zur professionellen Hörbuchproduktion in Eigenregie. Ab sofort folgen wöchentlich alle weiteren Artikel, die von A bis Z erklären, wie man von der Idee zum fertigen Hörbuch in den Shops kommt. Alle Inhalte sind auch gesammelt als Buch und E-Book erhältlich. Sämtliche Links dazu finden sich auch noch einmal am Ende des Textes.

Geschwindigkeit, Tonhöhe, Dynamik

Ein Text wird erst durch Variationen, durch Kontraste und durch eine sich wandelnde Dynamik interessant. Das kennt man als Schriftsteller von Schreiben bereits, jedoch gilt es für das gesprochene Wort umso mehr. Es ist erforderlich, den Text auch in der Lesegeschwindigkeit und in der Tonhöhe entsprechend zu variieren. Dramatische Passagen eines Textes wird man generell einen Tick schneller lesen, nachdenkliche hingegen etwas langsamer.

Für den kleineren Rahmen eines Satzes gilt das aber genauso. So kann man etwa Einschübe in Sätze schneller sprechen als den Text drumherum, oder aber ein Satzende gezielt verlangsamen. Nebensätze oder Einschübe können auch dadurch abgesetzt werden, dass man sie in einer etwas höheren oder tieferen Tonlage liest und so klar macht, dass dieser Teil nicht zum Hauptsatz gehört.

Beispiel 1 zur Sprechgeschwindigkeit

Folgendes Beispiel könnte man auf verschiedene Arten lesen, jedoch würde es sich anbieten, hier mit dem Faktor Geschwindigkeit zu arbeiten: „Manuel stürmte auf das Tor zu, ohne Abwehrspieler vor sich und mit dem Ball so sicher am Fuß wie nie zuvor – er wusste, seine Pechsträhne würde nun ein Ende nehmen – er schoss, er traf und schrie den Frust der letzten Monate in einem Jubelschrei aus sich heraus.“
Den ersten und letzten Teil des Satzes (kursiv) würde man schneller lesen, weil es eine „Action-Szene“ ist, den Einschub, der so etwas wie ein Rückblick oder ein Gedanke des Spielers ist, kann man dagegen verlangsamen. So entsteht eine spannende Dynamik. Die schnellen Teile wirken im Kontrast zum gebremsten Intermezzo noch dramatischer.

Beispiel 2 zur Sprechdynamik/Stimmlage

Oder aber: „Schon wieder hatte man ihn zum Rapport beim Bereichsleiter zitiert, um seine Zahlen zu prüfen – Sie sollten ihm erst einmal etwas nachweisen! – Und dennoch: Seine Nervosität stieg von Minute zu Minute.“

Hier kann man den eingeschobenen Teil als eine Art inneren Ausruf oder Gedanken des zum Rapport Zitierten verstehen. Man kann hier entweder den vorderen und hinteren Teil in einer ruhigen tiefen Tonlage sprechen und den mittleren etwas höher im Sinne einer aufgeregten Äußerung, oder aber man spricht den mittleren Teil bewusst tiefer und ruhiger, um auszudrücken, dass die Person sich keine Sorgen macht und der Prüfung gelassen entgegensehen will. Dies macht deutlich, dass wir mit der Art und Weise, wie wir einen Text lesen, Einfluss auf die Interpretation beim Hörer nehmen können. Das gilt umso stärker noch für den nächsten Punkt.

Mit der Stimme Emotionen vermitteln

Mit unserem Hörbuch wollen wir (es sei denn, es ist ein Fachbuch), den Inhalt auch emotional vermitteln. Wir können mit unserer Stimme verschiedene Gefühle und Gemütslagen ausdrücken. Wir hören Mitmenschen an, wenn sie bedrückt sind, Angst haben oder sich freuen. Das machen wir ganz automatisch, denn es gehört unterbewusst zur menschlichen Kommunikation. Doch man kann dies mit etwas Übung auch gezielt (quasi auf Abruf) einsetzen. Dass viele Hörbücher von Schauspielern und/oder Synchronsprechern (Synchron-Schauspieler wäre angebrachter) eingelesen werden, kommt nicht von ungefähr.

Wie gut das Vermitteln einer Emotion über die Stimme funktioniert, weiß jeder, der einmal eine Morning-Show im Radio gehört hat. Die Moderatoren klingen, als würden sie permanent bis über beide Ohren grinsen. Auch wenn es in deren Fall vielleicht teilweise aufgesetzt und übertrieben sein mag, können wir dennoch die gleiche Methode für unser Hörbuch nutzen. Also versuchen wir beim Sprechen zu lächeln, wenn es im Text lustig ist. Wenn es gerade traurig ist, machen wir ruhig ein trauriges Gesicht. Es lohnt sich, dies einmal für verschiedene Sätze und Emotionen auszuprobieren und testweise aufzuzeichnen.

Doch auch hier ein Wort der Warnung: Übertreiben Sie es nicht! Weniger ist hier in jedem Fall mehr. Aufgesetztes (schlechtes) Schauspiel kann mehr schaden als nützen. Sie wollen auf keinen Fall, dass Ihr Buch dadurch unglaubwürdig wird. Gleiches gilt auch für den nächsten und letzten Punkt in unserem Crash-Kurs „Sprache und Ausdruck“.

Einsatz verschiedener Stimmen im Hörbuch

Es hat sich in den letzten Jahren ein Trend abgezeichnet, den Charakteren in Hörbüchern verschiedene Stimmlagen und -färbungen zu geben, die dann eine bessere Zuordnung der Sätze in Dialogen, aber auch eine abwechslungsreichere Gestaltung ermöglichen. Gute Hörbuchsprecher wechseln fast mühelos und treffsicher zwischen den einzelnen Stimmen, da sie sie im Kopf „abgespeichert“ haben und jederzeit abrufen können. Sie sollten sich gut überlegen, ob sie dies für Ihr Hörbuch (zumindest zu diesem Zeitpunkt) in Angriff nehmen wollen, denn es ist noch einmal ein gutes Stück anspruchsvoller. Für das erste Buch würde ich raten, dies auf das Mindestmaß zu reduzieren, also möglicherweise nur Frauen und Männer durch eine moderat höhere/tiefere Stimme abzugrenzen oder Kinderstimmen als solche kenntlich zu machen. Sollte in Ihrem Buch natürlich ein Charakter vorkommen, der einen ausgeprägten Sprachfehler oder Dialekt besitzt, ist es sinnvoll, dies in einem für den Hörer noch verständlichen Maß zu integrieren.

Charaktere stimmlich anlegen und gleichmäßig sprechen

Wenn Sie also planen, das Hörbuch mit eigenen „Stimmen“ für jeden Charakter aufzunehmen, sorgen Sie unbedingt für Kontinuität und klare Unterscheidbarkeit, damit der Hörer die Stimmen stets eindeutig zuordnen kann. Da dies relativ anspruchsvoll ist, sollten Sie sich vor dem Beginn der Aufnahmen genau überlegen, wie Sie die einzelnen Charaktere sprechen wollen. Damit sich Stimmen über die Länge des gesamten Buches nicht zu sehr ändern, würde ich zu folgender Vorgehensweise raten: Legen Sie von Anfang an alle Stimmen fest und zeichnen Sie in der betreffenden Stimme kurze Beispielsätze auf wie:

„Bianka Weber spricht so: hoch, nasal, hektisch.“

„Josef Biermann spricht so: schläfrig, bayrisch, betonungsarm.“

Sie können diese Aufnahmen der Sätze in einen eigenen Ordner packen und immer dann kurz anhören, wenn die jeweilige Figur wieder an der Reihe ist. Vor allem, wenn sich der Aufnahmeprozess über längere Zeit erstreckt, und/oder eine Figur nur sporadisch auftaucht, kann diese Gedankenstütze sehr nützlich und vor allem zeitsparend sein.

Das Buch zur Artikelserie

Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z
Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z.

In diesem Buch, das als Taschenbuch, Ringbindung und E-Book erhältlich ist, habe ich alle relevanten Inhalte zur Hörbuchproduktion in Eigenregie zusammengefasst und mit Bildern illustriert.

Einem gut produzierten Hörbuch hört man nicht an, wie komplex der Produktionsprozess dahinter ist. Es soll auf mitreißende Art eine Geschichte erzählen, während die Technik ausgeblendet wird. Die vielen Schritte, die bei seiner Entstehung nötig sind, sollen im Hintergrund bleiben. Damit eine Produktion gelingen kann, müssen viele Faktoren zusammenkommen: passende Technik, eine gute Akustik, eine optimale Vorbereitung des Manuskripts, eine klare Aussprache und Betonung des Sprechers, eine präzise Nachbearbeitung und ein Mastering, das den Anforderungen der gängigen Shops und Portale entspricht. Will man dies als Autor selbst und ohne externe Dienstleister meistern, gilt es schon vor Beginn des Aufnahmen einige essenzielle Fragen zu klären und sich mit den Tücken der Audio-Produktion vertraut zu machen. Dieses Buch soll genau hierbei Hilfe leisten und als Leitfaden alle Grundlagen und Schritte von A bis Z auf verständliche Weise erklären und anhand von Beispielen verdeutlichen. Nach der Lektüre werden Sie fit sein, ins Abenteuer Hörbuchproduktion zu starten.

Hörbuch selbst produzieren: Teil 13 (Betonungen)

Dies ist Teil 13 meiner neuen mehrteiligen Serie zur professionellen Hörbuchproduktion in Eigenregie. Ab sofort folgen wöchentlich alle weiteren Artikel, die von A bis Z erklären, wie man von der Idee zum fertigen Hörbuch in den Shops kommt. Alle Inhalte sind auch gesammelt als Buch und E-Book erhältlich. Sämtliche Links dazu finden sich auch noch einmal am Ende des Textes.

Betonungen, Pausen und Stilmittel

Wenn man sich mit dem eher „technischen“ Ablauf beim Sprechen und der richtigen Lautbildung befasst hat, muss man im zweiten Schritt über die Gestaltung des Textes nachdenken. Denn elementar wichtig für ein Hörbuch ist es, dass die Sprache lebendig und abwechslungsreich gestaltet wird. Nur so kann man sichergehen, dass sowohl die Inhalte als auch die Emotionen beim Hörer richtig ankommen. Dazu bedient sich der Sprecher verschiedener Ausdrucksmittel, wie etwa Sprech- und Satzmelodie, Klangfarbe/Stimmfarbe, Lautstärke/Dynamik, Sprechtempo und Pausensetzung. Dies alles dient auch dazu, den Eindruck beim Hörer zu mildern, dass er gerade etwas „vorgelesen“ bekommt. Er soll viel mehr das Gefühl haben, einer Erzählung zu lauschen. Wir alle wissen, wie öde und irritierend es wirkt, wenn etwas „abgelesen“ klingt. Das gilt es zu vermeiden. Man kann sich dazu auch ein imaginäres Publikum oder eine besondere Person vorstellen, der man seine Geschichte erzählt. Das wirkt im Endergebnis sicher lebendiger, als nur das Mikrofon und die Manuskriptvorlage anzustarren.

Vorsicht bei (zu vielen) Kommas im Text

Weiter vorne im Buch hatte ich schon erwähnt, dass die Kommas im Text viele gerade am Anfang dazu verleiten, auch beim Sprechen dort Pausen zu machen. Das kann jedoch schnell dazu führen, dass der Vortrag (unser Hörbuch) abgehackt und unnatürlich wirkt. Wenn wir uns mit anderen Menschen im Gespräch unterhalten, achtet niemand darauf, seine Sätze durch „kommagerechte“ Pausen zu gliedern. Wir sprechen einfach. Und einen ähnlichen Redefluss wollen wir auch beim Einlesen des Hörbuchs erreichen. Daher kann man Kommas im Manuskript im Grunde weitgehend ignorieren – oder gar so weit gehen, sie in der Manuskriptvorbereitung gänzlich zu entfernen. Wir müssen uns stattdessen angewöhnen, alles, was sinngemäß zusammen gehört, auch zusammen zu lesen und Pausen nur dort zu setzen, wo ein neuer Gedanke beginnt (oder zwei Hauptsätze mit einander verbunden sind). Pausen können auch dort sinnig sein, wo wir etwas dramatisch betonen möchten – aber die meisten werden wohl zustimmen, dass ein Komma nur in den seltensten Fällen dramatisch betonungswürdig ist.

Betonungen liefern Anhaltspunkte

Betonungen sollen dem Hörer Anhaltspunkte liefern, was in einem Satz wichtig ist und es ihm so leichter machen, dem Sprecher zu folgen. Da er nur die Stimme hat und keine anderen Reize, wie etwa Bilder in einem Buch oder Filmsequenzen im Kinofilm, muss die mittels Sprache transportierte Information so klar wie möglich sein. Deshalb muss man sich in jedem Satz fragen: Was ist seine Essenz? Welche Schlüsselwörter könnte man keinesfalls weglassen? Man kann sich dazu des Umwegs über eine Zeitungsüberschrift bedienen. Dort wird der absolute Kern einer Botschaft auf wenige Wörter kondensiert.

Nehmen wir etwa diese Nachricht:

„In Berlin-Spandau kam es am Sonntagvormittag zu einem schweren Verkehrsunfall, bei dem zehn Autos kollidierten und acht Menschen teilweise schwer verletzt wurden“.
Die Überschrift wäre: „(Schwerer) Verkehrsunfall in Spandau“.
Verkehrsunfall und Spandau sind die beiden wichtigsten Wörter, denn sie machen klar, was passiert ist und wo es passiert ist. Die Steigerung zu „Schwerer Verkehrsunfall“ dramatisiert und macht klar, dass nicht nur zwei Wagen an der Kreuzung aufeinander aufgefahren sind, sondern mehr passiert ist. Im folgenden Nebensatz wären die Zahlwörter „zehn“ und „acht“ dann das Besondere, welches wir hervorheben würden.

Damit ist schon das zweite wichtige Kriterium eingeführt: Was ist das Besondere im Satz? Darauf können wir dann weitere (Neben-)Betonungen legen. Man sollte jedoch vermeiden, Adjektive, Verben/Adverbien oder Zeitangaben überzubetonen. Für den obigen Beispielsatz wäre folgende Betonung unnatürlich und für den Hörer verwirrend: „In Berlin-Spandau kam es am SONNTAGVORMITTAG zu einem SCHWEREN Verkehrsunfall, bei dem zehn Autos KOLLIDIERTEN und acht Menschen teilweise schwer VERLETZT wurden.“

Nehmen Sie doch einmal beide Varianten auf und hören Sie diese nacheinander zum Vergleich an. Sie werden feststellen, dass die falsch betonte Version es viel schwerer macht, die Information zu erfassen. Solche Betonungen ergeben nur Sinn, wenn man auf einen besonderen Umstand, einen Gegensatz oder eine Abweichung von der Regel hinweisen will, etwas so: „Harald hatte einen ECKIGEN und Peter einen RUNDEN Hut auf.“

Was für dieses eher nachrichtliche Beispiel gilt, kann ganz genauso auch auf Sätze aus der Belletristik übertragen werden, denn auch hier werden Informationen vermittelt und Geschichten erzählt. Dazu findet sich im Abschnitt „Manuskriptvorbereitung“ noch ein Beispiel, in dem ich exemplarisch die Betonungen in einem Romantext markiert habe.

Das Buch zur Artikelserie

Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z
Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z.

In diesem Buch, das als Taschenbuch, Ringbindung und E-Book erhältlich ist, habe ich alle relevanten Inhalte zur Hörbuchproduktion in Eigenregie zusammengefasst und mit Bildern illustriert.

Einem gut produzierten Hörbuch hört man nicht an, wie komplex der Produktionsprozess dahinter ist. Es soll auf mitreißende Art eine Geschichte erzählen, während die Technik ausgeblendet wird. Die vielen Schritte, die bei seiner Entstehung nötig sind, sollen im Hintergrund bleiben. Damit eine Produktion gelingen kann, müssen viele Faktoren zusammenkommen: passende Technik, eine gute Akustik, eine optimale Vorbereitung des Manuskripts, eine klare Aussprache und Betonung des Sprechers, eine präzise Nachbearbeitung und ein Mastering, das den Anforderungen der gängigen Shops und Portale entspricht. Will man dies als Autor selbst und ohne externe Dienstleister meistern, gilt es schon vor Beginn des Aufnahmen einige essenzielle Fragen zu klären und sich mit den Tücken der Audio-Produktion vertraut zu machen. Dieses Buch soll genau hierbei Hilfe leisten und als Leitfaden alle Grundlagen und Schritte von A bis Z auf verständliche Weise erklären und anhand von Beispielen verdeutlichen. Nach der Lektüre werden Sie fit sein, ins Abenteuer Hörbuchproduktion zu starten.

Freud und Leid mit Rezensionen

Mit den Rezensionen ist es ja so eine Sache. Manche Autoren sind fest davon überzeugt, dass man nie und nimmer etwas darauf geben soll, was andere von dem eigenen Werk halten. Rezensionen lesen? Nur etwas für Idioten. So etwas sollte man ignorieren!

Dann gibt es auch jene, die den ersten Bewertungen und Rezensionen entgegenfiebern und sich jedes Wort sehr zu Herzen nehmen – oft vielleicht auch zu sehr. Das wird spätestens dann unangenehm, wenn es mal nur einen oder zwei Sterne gibt und die Kritik wenig konstruktiv, sonder eher pauschal und persönlich wird. Aber auch das ist verständlich, denn ein Buch zu schreiben, ist etwas sehr Persönliches, man gibt immer etwas von sich selbst in die Geschichte.

Konstruktiv und konkret

Am besten sind natürlich konstruktive Vorschläge in Rezensionen, aus denen der Autor auch etwas lernen kann. Oft sind das die wenig beachteten Drei-Sterne-Kritiken, die sagen: „Eigentlich ein gutes Buch, aber für Folgendes gab es Punktabzug…“ Gerade daraus kann man aber viel lernen.

Natürlich ist das kein Muss und kein Automatismus, denn manchmal sind auch Leserinnen und Leser gehörig auf dem Holzweg, haben ein Buch gekauft, ohne den Klappentext richtig zu lesen oder scheitern an ihren eigenen Erwartungen. Das gibt es. Wir sind ja alle nur Menschen.

Es gibt aber noch etwas, das der Autor aus Rezensionen schöpfen kann – Motivation. Für mein neues Buch „REKURSION“ habe ich einige Rezensionen erhalten, die etwas betonen, was mir sehr am Herzen liegt: dass die Geschichte so rüberkommt, wie beabsichtigt. Wenn ich lese, dass mir das gelungen ist, gibt mir das Schwung und bestätigt mich darin, auf dem richtigen Weg zu sein. Das gilt umso mehr, da ich in meinem Genre nicht erwarten kann, dass immer jeder alles versteht.

Rückmeldungen, die motivieren

Aber anscheinend klappt es ganz gut. Anna_19_97 schrieb beispielsweise : „Ich lese dieses Gerne so gut wie nie und bin wirklich schlecht in Technischem. Aber dieses Buch war nicht nur so anschaulich erklärt, dass ich es wirklich gut verstanden habe, sondern war auch super spannend. Ich habe es förmlich verschlungen!“

Oder aber lodro196: „Ich war bisher immer eher negativ Sci-Fi Büchern gegenüber eingestellt, da die Bücher, die ich davor gelesen hatte, leider nie meine Erwartungen erfüllen konnten (die Handlungen waren mir zu langweilig und kompliziert dargestellt). Eigentlich fand ich das Thema nur sehr außergewöhnlich und mein Interesse war geweckt, das sich durch „Rekursion“ meine Meinung über das Genre so ins Positive ändert, hatte ich nicht erwartet.“

Was soll man dazu noch sagen? Außer vielleicht: Danke! Ich werde genau so weiter machen.