Hörbuch selbst produzieren: Teil 2 (Der Sprecher)

Dies ist Teil 2 meiner neuen mehrteiligen Serie zur professionellen Hörbuchproduktion in Eigenregie. Ab sofort folgen wöchentlich alle weiteren Artikel, die von A bis Z erklären, wie man von der Idee zum fertigen Hörbuch in den Shops kommt. Alle Inhalte sind auch gesammelt als Buch und E-Book erhältlich. Sämtliche Links dazu finden sich auch noch einmal am Ende des Textes.

Hörbuch selbst einsprechen oder nicht?

Eine der ersten grundsätzlichen Überlegungen, die man anstellen sollte, ist: Was spricht dafür oder dagegen, das Hörbuch selbst einzusprechen? Es läuft letztlich auf die Frage hinaus: Bin ich als Sprecher geeignet? Diese harte Entscheidung muss man treffen, und dies möglichst objektiv. Denn bei allem Charme des Selbermachens muss das Ergebnis den Erwartungen der Hörer entsprechen. Niemand möchte über viele Stunden ein Hörbuch anhören, bei dem der Sprecher schlecht zu verstehen ist, nuschelt oder monoton vor sich hin erzählt und so jede Dramatik im Keim erstickt. Wenn man sich unsicher ist, sollte man einen kleinen Ausschnitt aufzeichnen und anschließend mit Hörproben von veröffentlichten Hörbüchern auf den einschlägigen Plattformen vergleichen. Diese erste Test-Aufnahme kann auch mit einem Handy oder einem digitalen Diktiergerät gemacht werden. Es geht hier in erster Linie darum, auf Aussprache, Betonungen und gegebenenfalls Dialektfärbung zu achten. Keine Sorge, wenn es nicht perfekt ist, das muss es (noch) nicht sein. In späteren Kapiteln werden wir auch auf genau diese Punkte eingeben und gezielt daran arbeiten.

Sprechen ist eine Kunst und nur durch Übung zu meistern. Wenn man weiß, wie (und genügend Zeit investiert) lässt sich recht effektiv an der eigenen Stimme arbeiten. Dennoch sollte man sich bewusst machen, wo man aktuell steht und wie groß der Unterschied zu Profi-Sprechern ist.

Hörbuch doch lieber vom Profi sprechen lassen?

Es kann natürlich sein, dass man zu dem Schluss kommt, dass es dem Hörbuch besser zu Gesicht (oder Gehör) stünde, wenn es von einem Profisprecher, eingesprochen wird. Das ist weder ungewöhnlich, noch in irgendeiner Weise tragisch. Auch hier gibt es erschwingliche Optionen, beispielsweise in Form von Schauspielern am örtlichen Theater, Radio-Moderatoren oder befreundeten Autoren, die sehr viel Lesungserfahrung haben. Manchmal sind sie bereit, ein Hörbuch für ein moderates Honorar einzusprechen. Man selbst kann dann den Prozess der Aufnahme und Bearbeitung übernehmen und auf diese Weise mit geringem finanziellen Aufwand zu einem professionellen Ergebnis kommen.
Der Vorteil von Schauspielern, Profisprechern und anderen im Mikrofonsprechen geübten Personen ist eindeutig der Faktor Zeit. Denn sie arbeiten schnell, treffen die richtige Tonlage zielsicher, versprechen sich selten und brauchen daher weniger Anläufe, um auch schwierige Passagen „in den Kasten zu kriegen“.

Die Konkurrenz im Blick haben

Noch ein Punkt spricht dafür, nicht an der Qualität des Sprechers zu sparen: der zuvor schon erwähnte Vergleich mit den Hörbüchern auf Audible und Co. Wenn man sein Hörbuch über diese Plattformen vertreiben will, steht es Seite an Seite mit Produktionen, die von einigen der besten Sprecher der Deutschlands vertont wurden. Wenn ein potenzieller Hörer durch die Hörproben klickt und ein Werk deutlich abfällt, wird er dieses wahrscheinlich nicht kaufen, auch wenn ihn das Thema oder die Geschichte eigentlich reizen. Man muss also stets daran denken: Was erwartet der Hörer? Und wie hoch ist die Qualitätsmesslatte? Das kann man nur wie folgt beantworten: Die Erwartung an die Qualität ist mindestens so hoch wie die Konkurrenz, der Sie mit Ihrem Buch ausgesetzt sind. Man kann nicht erwarten, eine verrauschte Aufnahme mit lauten Atem- und Schmatzgeräuschen zwischen unverständlichem Genuschel hochzuladen und damit die Hörbuchcharts zu erobern. Nun gut, das war ein extremes Beispiel, aber es soll dafür sensibilisieren, wie wichtig es ist, auf jedes Detail zu achten.

Hörbuch-Produktion ist wie ein Puzzle

Eine gelungene Hörbuchproduktion ist wie ein Puzzle mit nicht gerade wenigen Teilen. Ich hatte es schon eingangs erwähnt: Viele Autoren und Selfpublisher, die sich mit dem Gedanken tragen ein Hörbuch zu produzieren, stehen zunächst etwas verloren da. Sie wissen nicht, wo sie anfangen sollen, was sie alles brauchen. Auf die wichtigsten wollen wir nun in einer kleinen Übersicht eingehen, bevor wir sie dann alle Schritt für Schritt unter die Lupe nehmen. Was brauche ich also alles, um selbst ein Hörbuch zu produzieren?

Die Technik, die nötig ist, stellt sich relativ überschaubar heraus, wichtig sind eher die Qualität und die Zuverlässigkeit der Geräte. Man benötigt ein Mikrofon, ein Audio-Interface, einen guten Kopfhörer, eine passende Software und einen Computer, auf dem diese läuft. Dazu einen Raum, der akustisch geeignet ist. So einfach kann es sein – beziehungsweise auch nicht, denn die Tücken lauern hier im Detail. Deshalb steht der Aspekt Technik nun auch ganz vorne, damit hier von vornherein die richtige Auswahl getroffen wird. Das vermeidet Frust und Fehler. Ein Hörbuch ist viel Arbeit, deshalb sollte die Technik so reibungslos wie möglich funktionieren und die Software komfortabel und intuitiv gestaltet sein.

Das Buch zur Artikelserie

Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z
Hörbuch selbst aufnehmen: Profesionelle Eigenproduktion von A bis Z.

In diesem Buch, das als Taschenbuch, Ringbindung und E-Book erhältlich ist, habe ich alle relevanten Inhalte zur Hörbuchproduktion in Eigenregie zusammengefasst und mit Bildern illustriert.

Einem gut produzierten Hörbuch hört man nicht an, wie komplex der Produktionsprozess dahinter ist. Es soll auf mitreißende Art eine Geschichte erzählen, während die Technik ausgeblendet wird. Die vielen Schritte, die bei seiner Entstehung nötig sind, sollen im Hintergrund bleiben. Damit eine Produktion gelingen kann, müssen viele Faktoren zusammenkommen: passende Technik, eine gute Akustik, eine optimale Vorbereitung des Manuskripts, eine klare Aussprache und Betonung des Sprechers, eine präzise Nachbearbeitung und ein Mastering, das den Anforderungen der gängigen Shops und Portale entspricht. Will man dies als Autor selbst und ohne externe Dienstleister meistern, gilt es schon vor Beginn des Aufnahmen einige essenzielle Fragen zu klären und sich mit den Tücken der Audio-Produktion vertraut zu machen. Dieses Buch soll genau hierbei Hilfe leisten und als Leitfaden alle Grundlagen und Schritte von A bis Z auf verständliche Weise erklären und anhand von Beispielen verdeutlichen. Nach der Lektüre werden Sie fit sein, ins Abenteuer Hörbuchproduktion zu starten.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.