Der Kuchen

Pixabay/manfredrichter

Auf dem blank geputzten Edelstahl der Küchenzeile hob sich der marmorierte Gugelhupf ab wie eine Berginsel im windstillen Ozean. Britta stand festgefroren im Rahmen der Küchentür und starrte ihn an. Das Ticken der Uhr war unerträglich laut.

Sie hasste diesen Kuchen! Dabei war es ihr Lieblingsrezept. Sie konnte ihn nicht essen. Er war das Letzte, das ihr Mann gemacht hatte. Sie wollte ihn in hohem Bogen aus dem Fenster schleudern und schreien, bis die Stimme versagte. Doch sie konnte ihn nicht wegwerfen. Er hatte ihn gebacken, kurz bevor er starb. Er war sein Vermächtnis.

Albern, dieser Gedanke! Denn da war so viel mehr gewesen. Doch sehen konnte sie jetzt nur diesen Kuchen. Leblos, aber noch ein bisschen warm lag er auf dem Glasteller – so wie Jochen auf den grauen Fliesen im Bad.

Gleich würde sie die Kinder aus der Kita holen. Und sie wusste schon jetzt, dass sie für das, was sie ihnen sagen musste, keine Worte finden würde.

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